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Band 9: Hausarztspezifische Querschnittsthemen Wachsender Band

Sozialmedizin · Versorgungssteuerung · Abrechnung · Prävention · Impfwesen · Digitalisierung · IGEL · Psychosomatik

3 Kapitel vollständig (v1.0) 8 Themenblock-Kapitel geplant Version 1.0 · Juni 2026 Wird laufend erweitert

Was ist Band 9?

Die Hausarztmedizin ist kein Fachgebiet, das sich in Organsystemen erschöpft. Täglich treffen Hausärzte Entscheidungen jenseits der Klinik: Wer bekommt einen Pflegegrad? Wie steuert man eine psychiatrische Krise in die Versorgung? Was kostet Praxisgeld, wenn man EBM-Ziffern nicht kennt? Wie erklärt man den 116117-Dringlichkeitscode?

📌 Leitgedanke Band 9

Band 9 beantwortet nicht „Was ist die Diagnose?“ oder „Welche Therapie ist leitliniengerecht?“, sondern: „Wie steuere ich Patienten richtig? Wie dokumentiere ich rechtssicher? Wie organisiert sich eine moderne Hausarztpraxis — und was rechne ich dafür ab?“

116117 & TSSDringlichkeitscodeEBM-AbrechnungGOÄPatientenverfügungACPIGELSTIKO
🌿 Wachsender Band — wird laufend erweitert

Band 9 ist ein lebendes Dokument. Version 1.0 (Juni 2026) enthält drei vollständige Kapitel. Weitere Kapitel zu Pflegegrad, Fahreignung, HZV, Psychosomatik, Prävention, Impfwesen und IGEL folgen fortlaufend — immer zusammen mit Gesetzesänderungen und Leitlinienaktualisierungen.

Aktueller Stand v1.0 — 3 vollständige Kapitel

Kapitel A1 Fertig Hausarztvermittlungsfall & Dringlichkeitscode 116117 · TSS · Versorgungssteuerung · Psychotherapiepfad · MFA-Checkliste (12 Punkte) · 5 Patientenflyer-Module
Kapitel B1 Fertig Sterbebegleitung & Vorausplanung Patientenverfügung (§ 1901a BGB) · Vorsorgevollmacht · Palliativversorgung · Hospiz · Assistierter Suizid (BVerfG 2020) · ACP-Gesprächsanleitungen
Kapitel C1 Fertig EBM-Abrechnungsziffern & GOÄ-Grundlagen Schlüsszelziffern der Hausarztpraxis · Abrechnungslogik · Red Flags · MFA-Kodierungsmodul · Schnelltabellen

Themenblock-Übersicht — alle geplanten Kapitel

Block A — Versorgungssteuerung

A1: 116117, Dringlichkeitscode, TSS
A2: Einweisung, Entlassmanagement, RehaGeplant

Block B — Sozialmedizin & Begleitung

B1: Sterbebegleitung, PV, Vorsorgevollmacht
B2: Pflegegrad-BegutachtungGeplant
B3: Fahreignung bei ErkrankungenGeplant
B4: Arbeits- & Umweltmedizin, BK-AnzeigeGeplant

Block C — Abrechnung & Recht

C1: EBM-Ziffern & GOÄ-Grundlagen
C2: HZV — Hausarztzentrierte VersorgungGeplant

Block D — Psychosomatik

D1: Funktionelle Syndrome, INTERMEDGeplant
D2: Psychosomatische GesprächsführungGeplant

Block E — Digitalisierung

E1: eRezept, TI, KI-Tools, TelemedizinGeplant

Block F — Vorsorge & Prävention

F1: KrebsfrüherkennungGeplant
F2: Kardiovask. Risiko, Check-up 35Geplant

Block G — Impfwesen

G1: STIKO-Kalender, Impfberatung, ReiseGeplant

Block H — IGEL & Privatleistungen

H1: IGEL sinnvoll vs. verzichtbar, GOÄ, GLP-1Geplant

Kapitel A1 im Detail — 116117 & Dringlichkeitscode

📌 Kernfrage Kapitel A1

Nicht jede Dringlichkeit ist ein Notfall. Die hausärztliche Kernaufgabe ist, lebensbedrohliche Situationen von dringlichen, aber ambulant steuerbaren Fällen zu trennen und den richtigen Versorgungspfad auszulösen.

VersorgungswegWann passendZeitlogik
112Lebensbedrohlicher NotfallMinuten
116117 BereitschaftsdienstAkut, außerhalb Sprechzeiten, keine LebensgefahrStunden
116117 TSS ohne CodeHA, Augenarzt, Frauenarzt, Kinder, Psychotherapie ErstgesprächTage bis Wochen
Hausarztvermittlungsfall + CodeZeitkritische fachäztliche AbklärungBis ~4 Wochen
Direkte AkutsprechstundeZeitkritisch, direkter regionaler Zugang bekanntTage
👥 MFA-Modul A1 — 12-Punkte-Checkliste Dringlichkeitscode
  • Lebenszeichen / Vitalzeichen gecheckt? → Wenn nein: zuerst 112-Frage klären
  • Symptombeginn: akut (<24h) oder subakut?
  • Bisherige Versorgungsversuche (Hausarzt, Akutsprechstunde, Notaufnahme)?
  • Fachrichtung und Dringlichkeit durch Arzt bestimmt?
  • 12-stelliger Dringlichkeitscode vom Arzt erhalten?
  • Überweisung ausgestellt (auch als eÜ)?
  • Patienten über Ablauf informiert: TSS anrufen, Code bereithalten
  • Keine Garantie auf Wunschpraxis erklärt?
  • Psychotherapiepfad: Erstgespräch vs. Akutbehandlung vs. Krisenpfad unterschieden?
  • Dokumentation im PVS: Indikation, Code, Datum
  • Rückmeldung: Patient soll Ergebnis mitteilen (Termin erhalten?)
  • Fallback: wenn kein Termin in 4 Wochen → Rückruf vereinbart?

Red Flags — Häufige Abrechnungsfehler (Kapitel C1)

🚨 Red Flags — EBM-Abrechnungsfehler mit Rückforderungsrisiko
  • Doppelabrechnung: Versichertenpauschale + Grundpauschale in gleicher Zahl
  • Ziffern ohne Inhaltsdokumentation (besondere Beratungsziffern ohne Beratungsinhalt)
  • Überschreitung Richtgroßen — fehlende Begründung in der Dokumentation
  • GOÄ-Leistungen ohne schriftliche Vereinbarung vor Behandlung (§ 2 GOÄ)
  • IGeL-Abrechnung ohne schriftliche Aufklärung und Einwilligung

Kap. B1 — Sterbebegleitung & ACP auf einen Blick

⭐ Praxis-Pearl — Vorausplanung

Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht sind keine Formalien — sondern Kommunikationsanlässe. Das wichtigste ACP-Gespräch findet statt, bevor der Patient nicht mehr einwilligungsfähig ist. Ein Gespräch, das nie geführt wurde, ist keine Ersparnis — sondern eine Last für alle Beteiligten in der Krise.

InstrumentFunktionRechtliche Basis
PatientenverfügungWille für bestimmte Behandlungssituationen vorausbestimmen§ 1901a BGB
VorsorgevollmachtPerson benennen, die entscheiden darf§§ 1896 ff. BGB
PalliativversorgungSymptomkontrolle, keine Kuration mehrSGB V § 37b (SAPV)
HospizStationäre SterbebegleitungSGB V § 39a
Assistierter SuizidErmöglicht nach BVerfG 2020; EinzelfallentscheidungBVerfG 2 BvR 2347/15
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