Diagnostische Strategie für die Hausarztpraxis · Vortestwahrscheinlichkeit · Bayes · 7 Kapitel + Diagnostik-Atlas (24 Fachgebiete)
Die Hausarztpraxis ist kein verkleinertes Krankenhaus. Ihr diagnostisches Umfeld unterscheidet sich fundamental von der Klinik — und diese Unterschiede haben direkte Konsequenzen für die Interpretation jedes einzelnen Tests.
Der entscheidende Faktor: Prävalenz. In der Klinik liegt die Vortestwahrscheinlichkeit für die vermutete Diagnose oft bei 30–70 %. In der Hausarztpraxis hingegen liegt die Prävalenz der meisten Einzeldiagnosen unter 5 %. Ein Patient mit Thoraxschmerz in der Notaufnahme hat eine ACS-Wahrscheinlichkeit von 15–25 %; derselbe Symptomkomplex in der Hausarztpraxis beginnt bei 1–3 %.
In der Hausarztpraxis ist der wichtigste diagnostische Wert eines Tests sein negativer prädiktiver Wert. Ein negativer Test bei niedriger Prävalenz ist fast immer zuverlässig. Ein positiver Test bei niedriger Prävalenz ist häufig falsch-positiv.
| Kapitel | Inhalt |
|---|---|
| 1 | Diagnostische Grundlagen · Vortestwahrscheinlichkeit · Bayes-Daumenregeln · Sequenzielle Diagnostik |
| 2 | Labordiagnostik-Strategie · Kosten-Nutzen · Präanalytik |
| 3 | Apparative Diagnostik · Indikationen · Stufenlogik |
| 4 | Funktionsdiagnostik · Praxisrelevante Verfahren |
| 5 | Überdiagnostik & Choosing Wisely · Wann NICHT testen |
| 6 | Diagnostische Heuristiken · Pattern Recognition |
| 7 | Diagnostische Fehler & De-Biasing · Kognitive Fallen |
Band 2 enthält einen umfangreichen Annex-Band mit fachgebietsspezifischer Diagnostik für alle 24 Fachgebiete des ClinicalOS-Systems. Beispiel aus dem Diagnostik-Atlas:
Diagnostische Grundprinzipien:
hs-Troponin T/I ohne Verlaufsmessung ist diagnostisch wertlos. BNP/NT-proBNP zeigt Herzinsuffizienz-Belastung, nicht Infarzierung. Erhöhtes BNP + normales Troponin = Herzinsuffizienz; umgekehrt = ACS.